Vielseitigkeit Marbach: Michael Jung verliert Spitzenposition, Schwedin übernimmt

Foto: Thomas Hartig

Katrin Norling (SWE) und Fernando-Ukato (© Thomas Hartig/equistock.de)

Die Teilprüfungen Dressur und Springen sind beim CCI4*-S in Marbach und im Berufsreiterchampionat 2021 entschieden. Michael Jung musste einer Schwedin an der Spitze Platz machen. Beste Deutsche ist momentan Sandra Auffarth.

Nicht ganz rund lief es für Michael Jung mit Chipmunk im Parcours des CCI4*-S in Marbach. Das Paar, das zuletzt die Drei Sterne-Prüfung in Radolfzell gewinnen konnte, kassierte einen Abwurf und 1,2 Zeitstrafpunkte. Damit war die Führung nach der Dressur dahin. Die beiden rangieren nun punktgleich mit dem Schweizer Felix Vogg auf Colero (4., 27,7) an fünfter Position vor der abschließenden Teilprüfung Gelände, die aufgrund der Wetterverhältnisse mit Regengüssen und Schneefall gestern und heute von Samstag auf Sonntag verschoben worden ist. So soll der Boden noch mehr Zeit haben abzutrocknen.

Schwedin an der Spitze

Durch Michael Jungs Fehler hat nun eine Schwedin die Führung übernommen: Katrin Norling. Die 42-Jährige, die bei den Olympischen Spielen 2008 mit dem Team Vierte wurde, sitzt auf dem elfjährigen KWPN-Wallach Fernando-Ukato. Die beiden waren dieses Jahr schon siegreich beim CCI3*-S in Kristianstad (SWE) und belegten letztes Jahr Platz zwei beim Vier-Sterne-Event in Strzegom (POL). In Marbach bekam der Fuchs für seine Vorstellung im Dressurviereck 26,6 Minuspunkte, die Aufgaben im Parcours löste er mit links. Damit bleibt es für Katrin Norling vor der Geländeprüfung bei ihrem Zwischenergebnis.

Nur ein Zehntel dahinter mit 26,7 Punkten liegt Pferdewirtschaftsmeisterin und Olympiakadermitglied Sandra Auffarth auf Platz zwei. Viamant du Matz ließ alle Stangen liegen und arbeitete sich so um zwei Plätze nach der Dressur nach oben in der Rangierung. Damit führt Auffarth auch die Wertung im Berufsreiterchampionat an vor Ingrid Klimke, Michael Jung und Felix Vogg. Für die 34-Jährige wäre es das erste Mal, dass sie diesen Titel gewinnt, viermal war sie schon Zweite. Und nicht nur das. Mit Zweitpferd Let’s Dance, einem 14-jährigen Holsteiner v. Lancer II, belegt Sandra Auffarth außerdem Platz drei nach einer Dressur mit 27,5 Minuspunkten und einem fehlerfreien Parcours. Mit Rosveel, einem ansprechenden, hochbeinigen polnischen Wallach mit auffälliger Blesse, hat sie zudem noch ein drittes Eisen im Feuer, Rang 34 (34,2) momentan.

Auf Rang sechs in der Zwischenwertung vorgearbeitet haben sich Ingrid Klimke und die neunjährige Westfälin Siena just do it. Die Semper Fi-Tochter hatte schon in der Dressur Energie für zwei mitgebracht, auch im Parcours hatte sie mehr als genug Power und sprang mit deutlich Luft zu den oberen Stangen. Die beiden gehen mit 27,9 Minuspunkten in die abschließende Teilprüfung Gelände. Etwas Pech hatte Ingrid Klimke, die Ende März bekanntgeben musste, dass Asha P verletzungsbedingt für den Rest der Saison ausfällt, auf Hale Bob, mit dem sie auf dem zweiten Platz nach der Dressur gelegen hatte (24,6). Im Parcours passte der Rhythmus nicht so ganz und die Reiterin hatte offensichtlich alle Hände voll zu tun. Am drittletzten und letzten Sprung fiel die Stange, acht Strafpunkte – bedeutet im Moment Rang 24 mit 32,6 Minuspunkten.

Christoph Wahler belegt mit Carjatan S den siebten Platz in der Zwischenwertung (28,4) vor Tim Lips (NED) mit Herby (28,8) und Katrin Norling mit ihrem zweiten Pferd Hulliebullie (28,9). Dirk Schrade komplettiert die Top Ten im Sattel von Catelan und 29,3 Minuspunkten. Mit seinem zweiten Pferd Casino rangiert er an elfter Position (29,8).

Olympia- und EM-Sichtung in Marbach

Bundestrainer Hans Melzer hat dieses Jahr die Aufgabe, ein deutsches Aufgebot für gleich zwei Großereignisse aufzustellen, die Olympischen Spiele in Tokio und die Europameisterschaften in Avenches (SUI). „Das ist toll!“, sagt er. „Für die Reiter, die Sponsoren, die Pferdebesitzer, für alle. Und wir haben das Glück, aus deutscher Sicht breit aufgestellt zu sein.“ Marbach ist das erste große Turnier in diesem Jahr – „wobei wir ja letztes Jahr in der glücklichen Lage waren, dass wir trotz der schwierigen Situation von Juni bis November reiten konnten. Die Reiter und Reiterinnen haben vier bis fünf Prüfungen geritten. Es ist also nicht so, dass wir ein Jahr nur auf Trainingsniveau waren“, betont Hans Melzer. Nach Marbach stehen noch Baborowko in Polen und Luhmühlen auf der Liste. Danach soll für Tokio nominiert werden. „Und für die EM haben wir schon mal beschlossen, dass der Reservereiter aus Tokio auf jeden Fall in Avenches reiten darf“, so der Bundestrainer.

Die Geländeprüfung startet Sonntag um 9.30 Uhr. „Das Gelände in Marbach ist immer schon allein wegen des Geläufs besonders“, erläutert Hans Melzer. „Die hügelige Strecke ist ein super Trainingsanreiz und Rüdiger Schwarz hat die Anforderungen perfekt angepasst an den Zeitpunkt im Turnierkalender, nicht zu technisch.“ Auf die Teilnehmer und Teilnehmerinnen warten 26 Hindernisse auf einer 3800 Meter langen Strecke.
Im Anschluss steht nicht nur der Sieger fest, sondern auch, wer Berufsreiterchampion oder Berufsreiterchampionesse 2021 ist. Die Siegerehrungen entfallen allerdings aufgrund der Corona-Regelungen.

Die Ergebnisse finden Sie hier.