CHIO Aachen: Cosmo und Sönke Rothenberger melden sich zurück

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Sönke Rothenberger und Cosmo: Beim Jubeln machte sich der Helm beim CHIO Aachen 2019 selbstständig. (© von Korff)

Sönke Rothenberger und Cosmo haben den Grand Prix der CDI4*-Tour beim CHIO Aachen gewonnen. In einer stark besetzten Prüfung setzten sie sich vor Isabell Werth und Emilio. Die Dänin Cathrine Dufour wurde mit Atterupgaards Cassidy Dritte.

Für Sönke Rothenberger und Cosmo geht es in Aachen vor allem um eins: Um das Ticket für die Europameisterschaften in Rotterdam. Dort, wo sich der hochaufgeschossene Wirtschaftsstudent fließend mit seinen auch dort zahlreich vorhandenen Fans unterhalten kann.Wegen Cosmos Kolikanfall in Balve musste das Paar auf die Deutschen Meisterschaften 2019 verzichten. Der Beginn seines Aachener Grand Prix-Ritts in Kurzform: Erste Diagonale starker Trab mit gebremstem Schaum, aber schwingend im Rücken. Gute Trabtraversalen, nahezu perfekter Halt bei C vorm Rückwärtsrichten. Das Pferd ging im ersten Drittel der Prüfung nahezu immer in idealer Silhouette. Allerdings hat man Sönke Rothenberger schon präziser reiten gesehen. Er traf nicht alle Linien so exakt, wie man das eigentlich von ihm und seinen Schwestern kennt.

von Korff

Sönke Rothenberger und Cosmo im Galopp, CHIO Aachen 2019

Die erste Piaffe war leicht im Vorwärts, dafür aber sehr akzentuiert. Der starke Schritt mit wenig Übertritt wurde von den Richtern entsprechend seiner Qualität niedriger bewertet (6,8). Auch in der zweiten Piaffe gestattete Sönke Rothenberger seinem niederländischen Wallach eine nicht zu übersehende Vorwärtstendenz. Das Pferd machte insgesamt einen abgeklärten Eindruck, wirkte souverän. Man hatte allerdings schon beim ersten starken Trab den Eindruck, dass Rothenberger nach der längeren Turnierabstinenz noch nicht „voll Gas“ reiten wollte. Der gesamten Galopptour kam das zu Gute: Seien es die bergauf gesprungenen fliegenden Galoppwechsel zu zwei Sprüngen (8,4), die gut eingeteilte Zickzack-Traversale (8,3) oder die sicheren, schnurgerade gelungenen 15 Einerwechsel (8,2). Einen Schritt nach vorne hat das Paar in den Galopppirouetten gemacht: Sönke Rothenberger bestimmte jeden Galoppsprung exakt, das Pferd kam nie ins Stemmen, war immer vor der treibenden Hilfe und sprang jeden einzelnen Galoppsprung in der 360-Grad-Wendung dynamisch im Hinterbein. 8,8 gab es für die Galopppirouette rechts! Mit der letzten Piaffe bei X mit herrlichen Übergängen aus der Passage in die Piaffe und umgekehrt markierte das Paar dann ein weiteres Highlight kurz vorm Schluss. Laut war der Applaus. Und Cosmo stand wie ein Baum. Zumindest anfangs blieb der Van Gogh-Sohn beim Jubel noch cool, doch dann verlor Sönke Rothenberger den Helm, den er zum Winken abgenommen hatte. Cosmo war irritiert, fing sich aber wieder. 81,37 Prozent – der Sieg! „Ich wäre natürlich gerne die 5*-Tour  geritten. Aber das ging ja wegen Balve nicht. Ich konnte alles, was Cosmo kann, gut abrufen. Sicher ist da noch Luft nach oben. Aber er war super gelassen. Ich wollte es erstmal ruhig angehen lassen und eine fehlerfreie Runde liefern. Jetzt konzentrieren wir uns auf den Special.“

Isabell Werth voll fokussiert

Als amtierende deutsche Meisterin in der Kür kam Isabell Werth mit Emilio in die Bahn. Sie hatte diesen gewissen Werth-Blick aufgesetzt, der verriet: Ihre Pflegerin hatte Emilio nicht eingeflochten, um „nur“ irgendwo vorne zu landen. Emilio zeigte sich ebenso fokussiert wie seine Reiterin. Im starken Trab fußte der Ehrenpreis-Sohn einen Huf breit über. Er war gleichmäßiger in der Anlehnung, als man ihn in diesem Jahr sonst schon erlebt hat. Nach sicherem Rückwärtsrichten, sonst nicht die Lieblingslektion des großen Westfalen, (7,4), folgte eine schwingende erste Piaffe (8,2) mit guten Übergängen (8,1). Nach X kam Emilio im starken Schritt zum Übertreten (7,4). Die zweite Piaffe-Passage-Abfolge hatte wenig, was man nicht hätte leiden können. Das war mehr als gut, so auch die Wertung: 8,4 für die Piaffe. Weitere Punkte sammelte das Paar in den Zweierwecheln (7,8) sowie der Zickzack-Traversale (7,8). Die 15 fliegenden Galoppwechsel von Sprung zu Sprung gelangen besser als noch bei den Deutschen Meisterschaften in Balve vor ein paar Wochen. Der Wallach wirkte losgelassener und so sprang er die Serienwechsel über mehr Boden (7,7). Für „Pirouetten-Königin“ Isabell Werth sind diese Lektionen ein gefundenes Fressen: Nach rechts gelang die Drehung „gut“ (8,0) nach links sogar noch besser (8,3). Auch die letzte Linie mit Piaffe bei X und den Passage-Übergängen nutzte das Paar zum Punkten (8,3). 79,435 Prozent bedeuteten Platz zwei.

Cassidy ist wieder da!

Nicht in der Nationenpreis-Tour, dem CDIO5*, bei der der Grand Prix morgen um 9.30 Uhr beginnt, sondern in der CDI4*-Tour brachte die Dänin Cathrine Dufour ihren „golden Oldie“ Atterupgaards Cassidy an den Start. Die Vorstellung der beiden hatte viele Höhepunkte. Anfangs klemmte einmal kurz das Gas, in der ersten Piaffe tauchte der Fuchs ab, dann beim Herausreiten mangelte es an Schwung. Etwas zäh geriet so der Übergang in die dann doch erhabene Passage. Aber dann: Highlight Nummer eins: Starker Schritt, locker, schreitend, energisch – keine Kompromisse, einfach super! (8,3) Aber: 19 Tritte in der zweiten Piaffe, viel mehr als die geforderten 15, das mag die Note etwas gedrückt haben – 7,5 dafür von den Richtern. Highlight Nummer zwei: Die Zweierwechsel (8,1). In der Zickzack-Traversale rutschte der Caprimond-Sohn mit der Nase für Momente etwas hinter die Senkrechte (7,5). Drittes Highlight: Die fliegenden Galoppwechsel von Sprung zu Sprung (8,1). Auch für die Pirouette links gab es mehr als Acht. 78,043 standen schließlich unterm Protokoll, Rang drei.

Team Aubi auf Platz vier und fünf

Jessica von Bredow-Werndl zeigte mit Zaire eine sehr sichere Prüfung. Die niederländische Stute zeigte sich von ihrer Schokoladenseite. Etwa mit der Zickzack-Traversale, die sicher und gut eingeteilt (7,6) war und ihre ausdrucksstarken Passagen in jedem Teil der Prüfung. Die letzte Piaffe, im Licht der allmählich untergehenden Sonne, ließ die Lektion wie im Spot erscheinen. Wenn die Stute früher einmal übereifrig und unkonzentriert war, so war diesmal nichts dergleichen zu sehen. Im Gegenteil: Zaire zeigte ihre Stärken wie die fleißig abfußenden Piaffen in sicherer Anlehnung vollkommen am Platz und in weniger starken Lektionen holte Jessica von Bredow-Werndl das Maximum aus „Püppi“ heraus, etwas bei den nur leicht schwankenden Galoppwechseln zu zwei Tempi. Der Ritt erhielt 76,587 Prozent, das war Platz vier.

Sieben Punkte, 76,283, hinter seiner Schwester landete Benjamin Werndl auf Platz fünf. Der hatte seinen Damon Hill-Sohn zackig eingestellte. Daily Mirror, alias Ken, kann schon mal – als Barbies Geselle mag ihm das verziehen sein – ein wenig in Schönheit sterben. Heute war das ganz und gar nicht der Fall. Dynamisch, selbst in den Piaffen, versprühte der Weltcupfinalist etwas von einem zupackenden Bajuwaren, „Auffi, Jungs, packen mirs!“ In der Galopptour ließ Werndl den Wallach glänzen: Sei es in den Zickzack-Traversalen (7,8) oder den Einerwechseln (7,9). 7,9 gab es auch für den starken Trab zum Schluss des Grand Prix.

Adrienne Lyle, aus dem US-Team, das in Tryon auf dem Podium stand, wird ihren Aachen-Trip mit Harmony’s Duvalier sicherlich nicht vergessen. Großer Jubel brach im Stadion nach ihrem Ritt aus. Viele Höhepunkte zeigte das Paar in den versammelten Lektionen. Vorbildlich senkte sich der Rousseau-Sohn in den Piaffen, nahm deutlich Last auf in den auf kleinstem Kreisbogen gesprungenen Galopppirouetten. Nur der versammelte Schritt geriet nicht so gut. Deutlich taktgefährdet lavierte sich die fein einwirkende Amerikanerin bis zur Passage durch. Aber das war auch der einzige Part, den man sich besser gewünscht hätte. Aber ein teurer. Der Lohn: 75,391 Prozent, Platz sechs als zweitbeste Kombination, die nicht in Deutschland zu Hause ist.

Dorothee Schneider und Sammy Davis jr. erwischten nicht ihren besten Tag. Sammy schnaubte einmal in der Trabtraversale nach links, in der zweiten Piaffe gab es zum Abschluss bereits Abstimmungsprobleme zwischen den Mannschaftsweltmeistern. Statt Passage entschied sich „Sammy“ dann für Galopp, um aus der Piaffe herauszukommen. Aber Dorothee Schneider kämpfte gegen diesen Punktverlust an: Zweierwechel (7,6), Zickzack-Traversale (7,6), Einerwechsel (7,5) waren deutlich auf der Haben-Seite. Aus der letzten Piaffe kam der San Remo-Sohn dann wieder sicher wie gewohnt in die Passage, das gab Punkte in den Übergangen (8,1). Aber dem teuren Fehler in der zweiten Piaffe musste das Endergebnis Tribut zollen: 75,239 Prozent, Platz sieben.

Mit Ingrid Klimke und dem Hengst Franziskus ging das Paar an den Start, das 2018 die Kür unter Flutlicht im Deutsche Bank Stadion als Zweitplatzierte hatte verlassen können. Wie gewohnt flog der Hengst zunächst im starken Trab durch die Diagonale. Ein Franziskus, ein Wort. Die erste Piaffe war deutlich im vorwärts angelegt. Das Hinterbein, vor allem das linke, kam aber dennoch nicht genug vom Boden. Im starken Schritt zeigte Franziskus eine halbe Hufbreite Übertritt. Die zweite Piaffe gelang in der Einleitung etwas lebhafter als die erste. In der Galopptour verlief zunächst alles nach Plan: Leicht schwankende Zweierwechsel, starker Galopp mit viel Schwung. Gute Zickzack-Traversale. Am Ende der Einerwechsel dann ein Fehler. Und untypisch für den „Parademeister“: ein leichter Taktfehler im abschließenden starken Trab. Die dritte Piaffe legte Ingrid Klimke ebenfalls deutlich im Vorwärts an. Ein Konzept, das sich auszahlte: Der Hengst fußte gleichmäßiger ab, und hielt den Takt besser als in den zwei vorhergehenden. Mit 71,783 landete das Münster-Duo auf Platz zehn.

Holy shit …

Hubertus Schmidt und Escolar erwischten einen schwarzen Tag. Schon der Auftakt hatte einen kleinen Rumpler. Nach dem Gruß wollte der Hengst erst einmal piaffieren. Der Reitmeister fand aber noch den richtigen Gang. Ein Highlight: super Stellung und Biegung in den Trabtraversalen. Die erste Piaffe gelang lebhafter als in Balve und war exakt auf dem Punkt. Auch im starken wie im versammelten Schritt sah alles noch vielversprechend aus. Dann aber hob der Westfale den Schweif und erleichterte sich. Unpassenderweise direkt dort, wo er hätte anpassagieren sollen. Das geschah dann entsprechend zäh. Eine leichte Rückwärtstendenz in der zweiten Piaffe war nicht zu übersehen. Aber Hubertus Schmidt korrigierte dies wieder im Fluss nach vorne. Escolar ging erst den sechsten Grand Prix seiner noch jungen Karriere auf höchstem Dressurniveau.

von Korff

Hubertus Schmidt und Escolar, CHIO Aachen 2019

Dann begann Escolar zu schnauben, ausgerechnet in den Zweierwechseln – es folgten Fehler. In der Zickzack-Traversale kam der fliegende Wechsel einmal schon nach fünf anstatt sechs Galoppsprüngen. In den 15 fliegenden Galoppwechseln von Sprung zu Sprung war dann nach den ersten drei Sprüngen auch ein Knoten drin. 70,17 Prozent – Platz zwölf.

Die Ergebnisse finden Sie hier.

Prix St. Georges an „Weltmeister“

Im Prix St. Georges konnten sich zuvor Sieger und der Zweitplatzierte in Niederländisch unterhalten. Es siegte die Britin Charlotte Fry mit dem holländischen Hengst Glamourdale. Der Weltmeister der Siebenjährigen von Ermelo 2018 wurde mit viel Rückenwind vorgestellt. In der Galopptour wünschte man ihn sich im Hinterbein schneller im Abfußen. Der Lord Leatherdale-Sohn siegte „mit Weile“, wie es im Rennsport geheißen hätte. 77,971 Prozent ließen ihn über fünf Prozent vor der Zweitplatzierten, der Niederländerin Joyce Hautink mit Gaude Vita v. Apache, landen (72,471). Von euphorischen 81,324 Prozent (Thomas Lang, AUT, bei E) bis zu 76,176 Prozent (Maria Collander, FIN, bei M) reichten die Richterurteile. Hubertus Schmidt wurde mit dem Oldenburger Hengst Denoix v. Destano Dritter (70,588). Der Fuchs, der erst seine fünfte S-Dressur nach Hagen und München ging – und das in Aachen! – ist gerade erst sieben Jahre alt. Er zackelte im starken Schritt an und verlor auch einige Punkte in der Galopppirouette rechts, die etwas flüssiger im Hinterbein hätte gesprungen sein dürfen.

Dreieinhalb Punkte dahinter rangierten Matthias Bouten und der Trakehner Hengst Meggles Grimani v. Gribaldi. Das Paar, das bereits in Mannheim und München siegreich war, war in einigen Phasen des Galopps noch nicht voll im Gleichgewicht (70,382). Einen Punkt weniger erzielte Kristin Biermann mit dem 15-jährigen Zwetscher v. Sir Sinclair. Die 22 Jahre alte Reiterin aus dem Gestüt Sprehe legte einen fehlerfreien Ritt hin (70,324) und setzte sich knapp vor die Unfallanästhesistin Annabel Frenzen mit Kiefferhof’s Imperius v. Imperio (70,235).

Ergebnisse finden Sie hier. Die Intermédiaire I findet am Samstag ab 19 Uhr statt.

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