FEI-Nationenpreisfinale 2017: Sieg für die Niederlande, Rang sechs für die Deutschen

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Champagnerdusche für den holländischen Teamchef Rob Ehrens nach dem Sieg der Niederländer im FEI-Nationenpreisfinale 2017. (© FEI/Libby Law)

Mit einem Fast-Idealergebnis beendeten die Springreiter der Niederlande das FEI-Nationenpreisfinale 2017 der Springreiter und holten den Jackpot. Den Deutschen fehlte das nötige „Quäntchen Glück“.

Neun Strafpunkte gab es insgesamt für die deutsche Mannschaft, einen Zeitfehler von Simone Blum und ihrer Askari-Tochter Alice, je einen Abwurf von Laura Klaphake mit Catch me if you can und Marcus Ehning auf Pret a Tout. Das Streichergebnis bildeten Andreas Kreuzer und Calvilot mit zwei Abwürfen und einem Zeitfehler. Das bedeutete am Ende Rang sechs.

„Wir hatten uns mehr erhofft, gerade nach dem Donnerstag. Aber der Lauf war bei allen nicht so da“, fasste Bundestrainer Otto Becker den Abend beim FEI-Nationenpreisfinale 2017 in Barcelona aus deutscher Sicht zusammen und fügte hinzu: „Ich habe immer gesagt, die Qualität ist da, aber die Erfahrung fehlt.“

Schließlich hatte er mit Simone Blum eine Reiterin benannt, die noch nie für Deutschland Nationenpreis geritten war, mit Laura Klaphake eine, die gerade ihr erstes Senioren-Championat in Göteborg hinter sich gebracht hatte, und mit Andreas Kreuzer einen, für den dieses Debüt noch aussteht. Als Alter Hase war lediglich Marcus Ehning dabei.

Erfahrung brauchte es heute. Denn nicht nur die Abmessungen und Distanzen des Parcours stellten die Reiter vor große Aufgaben. Allein die Tatsache, dass das Springen ohnehin erst abends um neun Uhr beginnen sollte und man dementsprechend den ganzen Tag warten musste, zehrte an den Nerven. Und dann gab es auch noch fast zwei Stunden Verzögerung, weil ein Flutlichtstrahler ausgefallen war. „Das hat uns nicht so in die Karten gespielt. Es war zwar für alle gleich. Aber gerade, wenn man noch nicht so viel Erfahrung hat, steckt man das nicht so einfach weg. Die Mannschaft hat einen super Job gemacht und gekämpft. Das sind tolle junge Leute, auf die wir in Zukunft bauen können.“

Das Lob des Bundestrainers mag die Reiter trösten. Simone Blum war die erste, die in den Parcours musste. Den hatte Santiago Varela auf Championatsniveau gestaltet und so dafür gesorgt, dass es bis zum Schluss spannend blieb. „Eigentlich bin ich total zufrieden, aber der Zeitfehler ist natürlich ärgerlich!, sagte Simone Blum. „Alice habe sich vor einer Kutsche erschrocken und sei dadurch „vom Weg abgekommen“, erklärte die Deutsche Meisterin den Strafpunkt. Dadurch habe es etwas gebraucht, „bis wieder Ruhe drin war“.

Laura Klaphake war trotz des Springfehlers stolz und glücklich, wie ihre ja erst neunjährige Stute gesprungen ist: „Sie hat das alles so toll gemacht. Ich bin ganz ganz stolz auf Catch me!“ Die Ursache für den Abwurf am letzten Oxer der dreifachen Kombination sah die Amazonen-Championesse von Balve am ehesten in einem Versäumnis ihrerseits: „Vielleicht hätte ich ein bisschen mehr drücken müssen. Es war echt schade!“

Andreas Kreuzer analysierte: „Ich glaube mein Hauptproblem lag heute auf dem Abreiteplatz. Die letzten beiden Sprünge hatte ich selbst nicht die nötige Ruhe und Lockerheit. Das hat sich aufs Pferd übertragen. Dementsprechend habe ich auch den Parcours angefangen und daher der Fehler gleich zu Anfang. Es war überhaupt nicht so, dass da Klippen waren, an denen es gescheitert wäre. Die Fehler hatten nichts mit den Abmessungen zu tun, sondern mit fehlender Ruhe und Abgeklärtheit.“

Marcus Ehning war selbst überrascht über den Abwurf seines Pret a Tout: „Damit habe ich im Leben nicht gerechnet. Ich glaube an dem Sprung hatte sonst keiner einen Abwurf.“ Sein Teamkollege Andreas Kreuzer, der Deutsche Meister von 2016, fasste zusammen: „Uns hat heute nur das Quäntchen Glück gefehlt. Die Fehler von Laura und Marcus waren einfach Pech. Die Pferde sind super gesprungen. Alice auch. Das hätte hier heute auch gut mit drei Nullern ausgehen können. Aber hätte, wenn und aber, danach fragt morgen keiner mehr. So ist das Leben. Haben wir alle wieder etwas gelernt.“

Sieg für die Niederlande

Gewinner des FEI-Nationenpreisfinales 2017 in Barcelona sind die Niederlande, die anders als Deutschland auf altbewährte Kräfte gesetzt hatten. Im Team punkteten Jur Vrieling auf dem elfjährigen belgischen Nabab de Reve-Sohn Glasgow v. Merelsnest (0), Michel Hendrix mit Baileys, einem ebenfalls elfjährigen KWPN-Wallach v. Indoctro (1) und Harrie Smolders auf dem 13-jährigen Zangersheider Hengst Don VHP Z v. Diamant de Semilly (0), der seinem gerade noch in Göteborg zu einem Platz auf dem EM-Treppchen verholfen hatte. Das Streichergebnis des Teams bildeten mit vier Fehlern Marc Houtzager und Sterrehof’s Calimero v. Quidam de Revel. So blieb es bei einem Zeitfehler für die Equipe Oranje.

Equipechef Rob Ehrens kann schon jetzt optimistisch in Richtung Titelverteidigung bei den Weltreiterspielen 2018 blicken: „Jur ist sehr erfahren, aber Glasgow noch ziemlich grün. Dies ist sein erstes Championatsjahr und er war extrem gut diese Woche. Das ist für mich ein Pferd, das ich über die Winter Saison behalten möchte, denn ich denke, dies sollte ein Paar für die anstehenden Weltreiterspiele nächstes Jahr sein.“ Michel Hendrix sei ein viel versprechender Reiter, „sehr talentiert“, der sein Pferd selbst ausgebildet hat. Und in Harrie Smolders und Don VHP Z, den Silbermedaillengewinnern von Göteborg, hat Ehrens ein weiteres Spitzenpaar, auf das er in Zukunft bauen kann: „Harrie ist dieses Jahr in brillanter Form! Ich freue mich sehr für ihn und auch für das Land. Er ist ein top Jockey und ein unglaublich guter Team Player.“

Ein solches Team mache dem Equipechef den Job einfach: „Alles, was ich ihnen sagen muss, ist, wann sie aufstehen, wann sie ins Bett gehen und wann sie den Parcours abgehen müssen. Ich habe einen einfachen Job und ich bin ein glücklicher Trainer!“

Hart umkämpfte Plätze

Sowohl die USA als auch die Belgier hatten am Ende vier Fehler auf dem Konto. Platz zwei ging dennoch an die Gäste aus Übersee, denn bei Punktgleichheit entscheidet die Zeit aller Reiter in der Mannschaft und da waren Lauren Hough auf Ohlala v. Orlando (0), Laura Kraut mit Confu v. Contact me (4), Beezie Madden auf Darry Lou v. Tangelo van de Zuuthoeve (4) und die Weltcupsieger McLain Ward mit HH Azur (0) heute einfach schneller.

Für Belgien ritten Pieter Devos auf Espoir v. Surcouf de Revel (8), Niels Bruynseels auf Cas de Liberté v. Cracky Z (4), Jérôme Guery mit Grand Gru van de Rozenberg (0) und Aachen-Sieger Gregory Wathelet auf Coree v. Cornet Obolensky (0).

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