Totilas ist tot – Rückblick auf das bewegte Leben des Hengstes

Der Grand Prix Special in Aachen 2014 war das letzte Turnier von Totilas.

Matthias Alexander Rath und Totilas in Aachen 2014. (© Julia Rau)

Das wohl teuerste und bekannteste Dressurpferd der Welt ist gestorben. Totilas starb an den Folgen einer Kolik. Wir blicken zurück auf die Karriere des Ausnahmepferdes, das die Gemüter spaltete, sicher aber die meisten seiner Zuschauer auf eine Art faszinierte.

23. Mai 2000: Totilas wird geboren

Das Hengstfohlen v. Gribaldi bei Ehepaar Schuil in den Niederlanden das Licht der Welt. Beim ersten Weidegang sieht Jan Schuil auf Anhieb das Besondere: „Seine Haltung war sofort da!“ Zu Ehren der Trakehnerzucht taufen sie den Hengst aus einer Glendale-Mutter „Totilas“.

2005: Karrierebeginn

Unter Jiska van den Akker (NED) beginnt Totilas’ Karriere im Viereck. Im August landet er bei den Weltmeisterschaften der Jungen Dressurpferde auf dem vierten Platz. Der Sieg geht in Verden an den Westfalen Damon Hill, das spätere Olympiapferd von Helen Langehanenberg.

2006: Gal übernimmt Zügel

Das Züchterehepaar Schuil telefoniert mit Edward Gal, als Totilas sechs Jahre alt ist. Fortan
sitzt der im Sattel des KWPN-Hengstes. Schnell stellen sich Erfolge ein. Gals Sponsoren,
die Eheleute Visser, kaufen Totilas. Dazu sagt Züchter Schuil: „Wir waren sehr froh über diese Lösung, weil das Pferd so bei Gal bleiben konnte.“

2008: Kometenhafter Aufstieg

Totilas erklimmt weiter die Karriereleiter und gewinnt den Prix St.Georges beim CHIO Aachen. In Dressurkreisen ist der Schwarze bereits länger im Gespräch, aber spätestens nach diesem Auftritt kennt jeder den imposanten Rapphengst.

2009: Der Duchbruch

Im für ein Grand Prix-Dressurpferd sehr jungen Alter von neun Jahren gelingt Totilas der Durchbruch auf ebendiesem Grand Prix-Niveau, ebenfalls unter dem Sattel von Edward Gal. Der Hengst stellt mehrere Weltrekorde auf, erhält für Piaffen und Passagen bei der Europameisterschaft in Windsor Zehnen – wenn es nach den Richtern geht – und verhilft Holland damit zu Gold. St.GEORG titelt „Willkommen im Zirkus!“ und stößt damit eine weltweite Diskussion über den unnatürlichen Bewegungsablauf von Totilas an.

2010: Weltmeister und Deckhengst

Der Deckeinsatz des nun vom Warmblutzuchtverband KWPN gekörten Hengstes beginnt. Es folgen der Sieg beim Weltcup-Finale sowie Team- und zweimal Einzelgold bei den Weltmeisterschaften in Kentucky (USA). Gals Vertrag mit seinen Sponsoren läuft nach dem Championat jedoch aus. Im Oktober bezieht Totilas seine Box beim neuen Besitzer Paul Schockemöhle. Die Rede ist von einer Kaufsumme im zweistelligen Millionenbereich.

2011: Zwei Premieren

Im Jahr 2011 wechselt das erste Auktionsfohlen v. Totilas für 105.000 Euro den Besitzer. Totilas selbst zieht auch um, und zwar auf den Schafhof zu seinem neuen Reiter Matthias Alexander Rath. Die Premiere des neuen Paars glückt, Totilas gewinnt den Grand Prix und den Grand Prix Special in München. Auch wird Raht mit dem Hengst Deutscher Meister in Balve. Insgesamt verläuft die Saison jedoch durchwachsen. Die ersehnte Einzelmedaille beim ersten gemeinsamen Championat, den Europameisterschaften in Rotterdam (NED), bleibt aus.

2012: Zwei Hindernisse

Pfeiffersches Drüsenfieber des Reiters vereitelt den Start von Rath und Totilas bei den Deutschen Meisterschaften in Balve, und auch an den Olympischen Spielen in London, Großbritannien. Auch in den darauffolgenden Jahren halten Verletzungen des Rapphengstes die Karriere von Totilas und seinem Reiter Matthias Rath in Schach.

2013: Ein verlorenes Jahr

Auch die Europameisterschaften im dänischen Herning finden ohne Totilas und Rath statt. Zuvor war bereits die Teilnahme an den Deutschen Meisterschaften unmöglich geworden, weil sich der Hengst beim Sprung aufs Phantom eine Verletzung zugezogen hatte. Die Besitzer von Totilas fokussierten sich fortan voll auf die Weltmeisterschaften 2014 in Caen.

2014: Erst top, dann hop

Beim Wiesbadener Pfingstturnier gewinnt Rath im Sattel von Totilas den Grand Prix, beim CDIO in Aachen kann das Paar die Olympiasieger Valegro und Charlotte Dujardin im Grand Prix hinter sich lassen. Das machte Mut, doch kurz vor der Abreise zu den Weltmeisterschaften im französischen Caen gibt es erneut einen gesundheitlichen Rückschlag zu beklagen. Der Hengst tritt sich gegen ein Überbein und zeigt schmerzhafte Reaktionen heißt es. Es ist das Aus für Caen.

2015: Karriereende mit Schrecken

Frisch, fromm, fröhlich und wohl auch fit starten Rath und Totilas im Juli 2015 in Hagen spät ein in die neue Saison. Erneut steht ein internationales Championat an, dieses Mal sind es die Europameisterschaften in der Aachener Soers. Das Comeback in Hagen gelingt, es gibt zwei Siege für das Paar, im Grand Prix und im Grand Prix Special. Monica Theodorescu setzt das Paar in der Folge für die Mannschaft der bevorstehenden EM.

In Aachen im August werden die Zuschauer Totilas das letzte Mal auf dem Viereck sehen. Der Rappe tritt in der Prüfung hinten sichtlich ungleich. Die Richter jedoch läuten den Auftritt nicht ab. Diagnose: Knochenödem im Krongelenk. Es ist das unwürdiges Karriereende dieser großen Pferdepersönlichkeit. 

2020: Tod durch Kolik

Nach seiner Pensionierung im Jahr 2015 widmet sich Totilas als aktiver Rentner ausschließlich dem Deckgeschäft. Ende 2019 lädt Mitbesitzerin Ann Kathrin Linsenhoff bei Social Media ein Video hoch. Dort sitzt sie im Sattel des Rappen, der offenbar keine der Lektionen und exaltierten Bewegungen verlernt hatte. „Totilas war unheimlich menschenbezogen“, erzählt Matthias Rath. „Er hat extrem auf seine Kontaktpersonen reagiert.“ Auf dem Schafhof besteht sein Team aus seinem Reiter, Matthias Rath, und der Pflegerin Dagmar, die ihn bis 2015 auf all seine Turniere begleitet. Danach sind es Ann Kathrin Linsenhoff und Pflegerin Saskia, die sich vorrangig mit dem Rappen beschäftigen.

Am 14. Dezember erleidet der Gribaldi-Sohn jedoch eine Kolik. Es folgt eine Operation, nach der er zunächst auch wieder aufsteht. Schließlich verstirbt Totilas jedoch doch am späten Montagabend.

Julia Rau

Totilas im Jahr 2011. (© Julia Rau)

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