40 Jahre Auktionator – Ehrung für Uwe Heckmann bei Oldenburger Auktion

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Auktionator Uwe Heckmann mit der designierten EU-Kommissionpräsidentin Ursula von der Leyen und Wilhelm Weerda, Präsident des Verbandes der Züchter des Oldenburger Pferdes. Vechta, Oktober 2019. (© www.kiki-beelitz.de)

Vor 40 Jahren hat Uwe Heckmann erstmals ein Pferd versteigert. Lange Jahre war der Mann, der bei den Elite-Auktionen in Vechta die Marke „Oldenburger“ berühmt machte, der Inbegriff des Auktionators. Nicht nur in Oldenburg, wo er jetzt ausgezeichnet wurde, sondern auch bei Holsteinern, Trakehnern, vielen anderen Zuchtgebieten und der P.S.I. Auktion von Paul Schockemöhle ließ er den Hammer kreisen. Nun wurde er für sein Lebenswerk ausgezeichnet.

Kutsche mit offenem Verdeck, Promis an seiner Seite – die Ehrung von Auktionator Uwe Heckmann hatte etwas jenes Flairs, den der 67-jährige Versteigerer selbst immer wieder in seinen Inszenierungen hatte entstehen lassen. Geladen hatte der Oldenburger Zuchtverband in das Oldenburger Pferdezentrum Vechta. Dort, wo Heckmanns kometenhafter Aufstieg vor 40 Jahren begonnen hatte. 1979 kannten vor allem Insider den Schüler von Hans-Joachim Köhler, dem Erfinder der Reitpferdeauktionen beim Hannoveraner Verband.

Uwe Heckmann – von Verden nach Oldenburg

Es war, so die Legende, der Furioso II-Entdecker Georg Vorwerk, der dafür sorgte, dass der junge Mann aus Verden nach Vechta wechselte. Das Oldenburger Zuchtgebiet war zu diesem Zeitpunkt längst nicht so bedeutend wie es heutzutage ist. Es gab ein paar weltweit erfolgreiche Sportpferde, aber die internationale Käuferschaft, die shoppte wo anders. Was heute „Oldenburger Pferdezentrum Vechta“ heißt, war damals die Landeslehrstätte Weser-Ems, die Landesreitschule.

Die Einweihung der Auktionshalle 1979 mit den blau-roten Sitzschalen – die Oldenburger Farben! – markierte neben Heckmanns Einstieg als Auktionsmanager einen wichtigen Moment in der Historie des norddeutschen Pferdezuchtverbandes. Heckmann, bis dato noch niemals als Auktionator tätig gewesen, entschied sich für den besten Auktionator, den er kannte: sich selbst. Der Erfolg gab ihm Recht. Die Pferde, damals wurden Zuchtprodukte aus Weser-Ems, also auch Hannoveraner versteigert, wurden Jahr für Jahr teurer. Und Heckmanns Ruf als „Impressario auf dem Pult“ machte ihn schnell zu dem Pferdeversteigerer schlechthin in Deutschland in den 1980er Jahren. Parallel engagierte er, der Junge aus Verden, sich intensiv für die Marke „Oldenburger Sportpferd“.

Auktionator und Auktionsleiter

Seine Auktionslyrik, „Kraftpaket in medialer Kompaktfiguranz“ (= moppelig), „konkave Denkerstirn“ (= Tendenz zum Ramskopf), die teilweise wirr wirkenden Namensschöpfungen, „Weihaiwej“ – Franke Sloothaaks Weltmeisterpferd von 1994 war 1987 unter diesem Namen Auktionspferd und wurde von einem Berliner Germanistikstudent, der später zum Pferdejournalisten wurde, gepflegt – zählten dazu. Die Katalogtexte entstanden bei Heckmann zu Hause. Mit Bleistift wurde in seiner nahezu kalligrafisch anmutenden Handschrift jedes einzelne Auktionspferd auf einem Blatt Karopapier beschrieben. Wobei es mehr als nur prosaische Beschreibungen, die sich Heckmann einfielen ließ. Ständige Begleiter in diesen „Schöpfungs- bzw. Dichtungs-Phasen“: Richard Wagner von der Schaltplatte und Päckchenweise Zigaretten.

1984, fünf Jahre nach seinem Einstieg in Oldenburg, versteigerte Heckmann in Vechta den Hannoveraner Hengst Giorgione an Familie Bechtolsheimer. Der Grundstein-Sohn sollte 1992 unter einem damals unbekannten jungen Briten in Barcelona bei den Olympischen Spielen an den Start gehen: Carl Hester, damals Bereiter bei den Bechtolsheimers.

Heckmann war ein gefragter Mann, versteigerte Oldenburger, Holsteiner, Trakehner, Bayern, Hessen, Traber und recht bald auch regelmäßig im Dezember die Kollektion, die Paul Schockemöhle und Ullrich Kasselmann unter der Marke Performance Sales International, P.S.I., in Ankum anboten. Zwischen 1980 und den 2000er Jahren war Heckmann der Inbegriff des Reitpferdeauktionators. Mittels seines Rosenholzhämmerchens sorgte er für Millionenumsätze. Außerdem war Heckmann auch lange Mitglied der Oldenburger Körkommission. Später übernahm er diese Funktion beim Springpferdezuchtverband Oldenburger International.

Bei Heckmann „in der Lehre“

Heckmann lebte für die Vechtaer Auktionen. Und für sein Auktionsteam. Viele Menschen, die später in ganz unterschiedlichen Funktionen in der Pferdeszene Fuß gefasst haben, haben irgendwann auch einmal mit Uwe Heckmann zusammengearbeitet. In Verden traf er Auktionsreiterin „Röschen“ Albrecht, damals Tochter des niedersächsischen Ministerpräsidenten. Heute ist sie besser bekannt als designierte EU-Chefin, Ursula von der Leyen.

Auch Familie Kasselmann, Ullrich und Bianca, sowie deren Schwester Miriam Henschke sind seit der Zeit in der Verdener Niedersachsenhalle eng befreundet. Hartmut Kettelhodt, langjährige Mitglied im Verdener Auktionsteam zählt ebenso zu den frühen Kontakten von Heckmann wie Paul Schockemöhles Ehefrau Bettina: Sie ist heute Turnierveranstalterin in u.a. Neumünster und Redefin. Außerdem zeichnet die Agentur PST-Marketing verantwortlich für die Riders Tour. Bettina Schockemöhle kennt Uwe Heckmann schon aus den 1970er Jahren in Verden.

In Vechta arbeiteten als Studenten oder kurz nach Abschluss ihres Studiums die Turnierveranstalter Volker Wullf, heute bekannt als „Derby-Chef“, und Dr. Kaspar Funke, verantwortlich u.a. für die Turniere in Dortmund und Donaueschingen. Der Trakehner Zuchtleiter Lars Gehrmann zählte zum Team, genau wie Joseph Klaphake, heute die rechte Hand von Paul Schockemöhle und Vater der jungen Spitzenreiter Laura und Enno.

Auktions- und Bundeschampionatsreiter

Johannes und Ines Westendarp, auf vielen Bundeschampionaten und Hengstauktionen häufig im Rampenlicht, und als Eltern von Alexa (Dressur) und Matthis (Springen) gleichfalls mittlerweile als erfolgreiche Eltern-TTs im Einsatz, haben sich im Auktionstraining kennengelernt. In jungen Jahren ritten Gilbert Böckmann, Jörg Kreutzmann und andere Springreiter, die heute auf Starts in Nationenpreisen und in Aachen zurückblicken, Springpferde im Auktionstraining. Zu Heckmanns Auftakt war der junge Franke Sloothaak im Parcours in der Auktionshalle zu erleben. Andere Reiterinnen und Reiter wie Kira Wulferding, Markus Gribbe, Heiko Klausing, Hermann Gerdes oder Jan-Dirk Gießelmann ritten ebenfalls lange Zeit Auktionspferde. Als junges Mädchen sah man auch Sandra Auffarth im Sattel von Ponys aus Weser-Ems im Auktionsring. Hengstaufzüchter Andreas Wempe und seine Frau Ingrid, Grand Prix-Reiterin Katrin Burger, die Liste ist noch bedeutend länger. 40 Jahre sind eine lange Zeit. Auch St.GEORG-Chefredakteur Jan Tönjes war als Student in den Semesterferien Mitglied des Auktionsteams.

Zu denen, die in der Zuchtszene Einfluss genommen haben, zählen Dr. Heiko Meinardus und Thomas Casper vom Gestüt Birkhof, beide einst „Leitungsassistenten“.

Abschied in Raten

Gesundheitlich war Heckmann schon länger angeschlagen. Bei der Elite-Auktion, der der Galaabend vorgeschaltet war, fungierte Fabian Kühl als Versteigerer. Er war vor einigen Jahren eingesprungen, als Heckmann auf dem Pult einen Schwächeanfall erlitten hatte. Doch die Ära Kühl geht mit dem Jahr 2019 zu Ende. Er wolle sich zukünftig anderen Tätigkeiten widmen, hieß es vor Kurzem in einer Pressemitteilung. In der Auktionshalle in Vechta zogen viele Wegbegleiter von Uwe Heckmann mit Fackeln in die Halle. Mit Standing Ovation wurde Uwe Heckmann von „seinen“ Oldenburger Züchtern in der Halle hochleben gelassen.

Auszeichnungen

Im Rahmen des Galaabends wurde Heckmann gleich mehrfach geehrt: Die Gustav-Rau-Medaille von der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) für sein Lebenswerk erhielt er aus den Händen der designierten EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen. Außerdem erhielt Heckmann gleich zwei goldene Ehrennadeln, die des Verbandes der Züchter des Oldenburger Pferdes und die des Springpferdezuchtverbandes Oldenburg-International (OS).

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