Die 2010er Jahre der Pferdewelt – was uns bewegt hat, Teil I

Ein ganz besonderes Paar: Sam und Michael Jung

Michael Jung und Sam waren ein Paar, das die letzten zehn Jahre des Pferdesports maßgeblich geprägt haben. (© Toffi)

Ein Rückblick auf zehn Jahre in der Pferdewelt mit Triumphen, Tragödien, Newcomern und scheidenden Helden – Teil I: 2010 bis 2014.

2010

Magic Michi

2009 reitet Michael Jung sein erstes Championat für Deutschland (Bronze mit Sam bei der EM in Fontainebleau), 2010 sichert sich das Paar seinen ersten Titel: Weltmeister in Kentucky. Der Beginn der Karriere eines Paares, das Vielseitigkeitsgeschichte schreiben soll, wie kein zweites.

Totilas

Ein Dressurpferd, dessen Namen buchstäblich Hinz und Kunz kennen: Totilas – gefeiert wie ein Popstar, kritisch beäugt von den Vertretern der klassischen Reiterei, dreifacher Weltmeister in Kentucky unter Edward Gal, danach verkauft an Paul Schockemöhle.

Julia Rau

Totilas machte Edward Gal zum Weltcup-Sieger, Weltmeister und Weltranglisten-Ersten. (© Julia Rau)

WM-Titel für die Springreiter

Während die deutsche Dressurreiter untypischerweise „nur“ Mannschaftsbronze, aber keine Einzelmedaille bei den Weltreiterspielen in Kentucky holen, gibt es Gold für die Springreiter – vor allem dank Carsten-Otto Nagel und seiner Holsteiner Stute Corradina, die zudem noch Fünfte in der Einzelwertung werden. Neben ihm setzt sich die Mannschaft zusammen aus Marcus Ehning auf Plot Blue, Janne Friederike Meyer-Zimmermann mit Lambrasco und Meredith Michaels-Beerbaum mit Checkmate.

Einzelgold holen Philippe Le Jeune und sein Liebling Vigo d’Arsouilles nach Belgien, ein Hengst, der später auch noch Zuchtgeschichte schreiben wird und der Im Juli vergangenen Jahres verstarb.

Boyd Exells erster Titel

Boyd Exell holt in Kentucky die Goldmedaille bei den Vierspänner-Fahrern – der erste von – bisher – fünf WM-Titeln für den Australier, der in der laufenden Weltcup-Saison ebenfalls ungeschlagen ist.

Julia Rau

Der Trakehner Jahrtausend-Hengst

Siegerhengst wurde ein anderer bei der Trakehner Körung 2010, aber Zuchtgeschichte geschrieben hat er: Millennium v. Easy Game-Ravel. Für 320.000 Euro wechselte der Hengst über die Auktion in den Besitz des Gestüts Sprehe zusammen mit dem Landgestüt Moritzburg.

Er hat maßgeblichen Einfluss auf das Geschehen auf deutschen Körplätzen genommen, nicht nur bei den Trakehnern, sondern auch darüber hinaus. Aktuell verzeichnet die FN fünf S-erfolgreiche Nachkommen des Millennium (die ältesten Nachkommen sind jetzt acht Jahre) auf dem Viereck und einen vor dem Wagen. 63 seiner Söhne wurden gekört. Morricone vom Gestüt Bonhomme, Siegerhengst 2014 in Oldenburg, ist aktuell Millenniums Aushängeschild im Sport. Er war Fünfter beim Nürnberger Burg-Pokal 2019.


2011

Zwei ganz Große sagen Tschüss: Isabell Werths Satchmo, „Satchie“, und Shutterfly von Meredith Michaels-Beerbaum.

Satchmo

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Isabell Werth in Tränen aufgelöst beim Abschied ihres Satchie. (© Julia Rau)

Wer den Grand Prix Special des Hannoveraner Sao Paulo-Sohnes Satchmo unter Isabell Werth bei den Weltreiterspielen 2006 in der Aachener Soers live gesehen hat, wird diesen Moment nicht vergessen. Das war eine Sternstunde des Dressurreitens eines Paares, das zusammen so viele Klippen überwinden musste, aber auch so viele Highlights erlebt hat. Der Totalausfall vor der Piaffe, der Olympiagold kostete, bei den Olympischen Spielen 2008 auf der einen, Weltrekorde auf der anderen Seite – bei Satchmo lagen das sprichwörtliche Genie und der Wahnsinn eng beieinander. Eine hoch intelligente Pferdepersönlichkeit, die in Stuttgart vor großem Publikum Abschied nahm. Er genießt seine alten Tage auf den Weiden seiner Reiterin.

Shutterfly

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Zurückhaltend bis ängstlich im „Privatleben“, aber ein Löwe, sobald er Hindernisse vor der Nase hatte – das war Meredith Michaels-Beerbaums Silvio-Sohn Shutterfly. Die beiden waren ein Paar wie es sie heutzutage kaum noch gibt, untrennbar miteinander verbunden, selbst wenn es viele andere erfolgreiche Pferde für diese Reiter gab – wie Winkler und Halla, Fritz Thiedemann und Meteor, John Whitaker und Milton. Shutterfly sprang nicht, er segele über die Hindernisse. Und das wusste er. Im Parcours wuchs der schmale Hänfling, der seinen Vollblutgroßvater Forrest xx nie leugnen konnte, über sich hinaus. Nachdem er beim CHIO Aachen noch den Preis von Europa gewann, entschloss sich seine Reiterin Meredith Michaels-Beerbaum, ihn zu verabschieden. Großer Bahnhof für ein kleines Pferd mit großem Herz …

Der Aufstieg des besten Springpferdevererbers der Welt

Chacco-Blue, ein Name der heute in aller Munde ist, war 2011 noch eine Überraschung als er seinen Reiter Andreas Kreuzer mit dem dritten Platz im Großen Preis von Aachen quasi über Nacht zum Star machte. Für andere mag es eine Überraschung gewesen sein, für Paul Schockemöhle war es das, was er schon lange erwartet hatte. Der Mecklenburger Chambertin-Sohn, der 2012 viel zu früh an Borreliose verstarb und heute der beste Springpferdevererber auf der WBFSH-Weltrangliste ist, war der erklärte Liebling des PS. Ausgebildet wurde er von Alois Pollmann-Schweckhorst. Als dieser den Stall Schockemöhle verließ, schlug Andreas Kreuzers große Stunde.

Mops schreibt Geschichte

Kleines Pferd, großes Herz, das trifft auch auf Janne Friederike Meyer-Zimmermanns Holsteiner Lambrasco zu. Aber anders als Shutterfly, bei dem man immer den Eindruck hatte, für ihn sei kein Hindernis hoch genug, schien sich Lambrasco alias Mops für seine Reiterin bei jedem Sprung geradezu zu zerreißen. Er machte „La Meyer“ zum Star. Und sorgte 2011 dafür, dass sie auf der Siegertafel mit den Gewinnern des Großen Preises von Aachen ihren Platz gefunden hat.

Ein neues Zeitalter bricht an

2011 ist EM-Jahr in Rotterdam, für die Dressur ein wegweisendes Championat. Die Gastgeber aus den Niederlanden, im Vorjahr noch Weltmeister, müssen sich den Deutschen und vor allem einer neuen Generation aus Großbritannien beugen, nämlich Carl Hester auf Uthopia und einer gewissen Charlotte Dujardin auf einem gewissen Valegro, die zusammen mit Laura Bechtolsheimer (heute Tomlinson) auf Mistral Højris und und Emile Faurie mit Marquis die Goldmedaille holen.

Deutschland gewinnt in dem Jahr Silber. Totilas und sein neuer Reiter Matthias Alexander Rath sind das beste Paar des Teams, aber als Favoriten und dann dennoch ohne Einzelmedaille (Platz vier und fünf in Special und Kür) doch so etwas wie die tragischen Figuren der EM. Für Christoph Koschel und Donnperignon, die 2010 schon in Kentucky zum Bronze-Team gehörten, wird es das letzte Championat. Danach übernimmt ECCO-Erbin Anna Kasprzak (DEN) den Donnerhall-Sohn. Donnerhall Nummer zwei im deutschen Team ist Damon Hill. Es ist Helen Langehanenbergs erstes Championat. Wie auch bei Charlotte Dujardin wird die beste Zeit dieses Paares noch kommen. Teamreiterin Nummer vier ist Isabell Werth auf El Santo, Ernie, dem das Piaffieren nicht mehr recht schmeckt. Die Einzeltitel gehen an die damalige Nummer eins der Niederländer, Adelinde Cornelissen auf Parzival, der damals auf dem Höhepunkt seiner Karriere ist.

Hängt die Medaille an den Nagel!

Zwei Holsteiner waren das Maß der Dinge aus deutscher Sicht im EM-Parcours von Madrid: Carsten-Otto Nagel und seine Corrado-Tochter Corradina. Sie trugen maßgeblich zum Mannschaftsgold der Deutschen bei (zusammen mit Ludger Beerbaum auf Gotha, Janne-Friederike Meyer mit Lambrasco und Marco Kutscher auf Cornet Obolensky) und holten dann auch noch Einzelsilber hinder Rolf-Göran Bengtsson mit Ninja La Silla.

Alle Medaillen nach Deutschland

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Das deutsche EM-Goldteam 2011 in Luhmühlen. (© Julia Rau)

Nachdem außer Michael Jung keiner der deutschen Teilnehmer in Kentucky in die Medaillenränge reiten konnte, werden die Europameisterschaften in Luhmühlen ihr Turnier: Mannschaftsgold und alle drei Einzelmedaillen bleiben im Lande der Gastgeber. Michael Jung holt mit Sam Gold, Sandra Auffarth und Opgun Louvo gewinnen Silber und Frank Ostholt mit Little Paint Bronze.Um die Sache rund zu machen, wird Dirk Schrade mit King Artus auch noch Vierter.

Tragische Figur dieses Championats ist Ingrid Klimke, die mit Butts Abraxxas vor dem Springen in Führung liegt. Aber im Parcours demonstrierte Braxxi recht eindrucksvoll, dass bunte Stangen ihn nur wenig beeindrucken. Mit 24 Hindernisfehlern kommen sie aus dem Stadion. Aus dem möglichen Gold wird Rang elf. Es wäre Klimkes erster Einzeltitel gewesen. Aber ihre Stunde soll auch noch kommen.

Plötzlicher Tod

Ein schrecklicher Tag aus Sicht des Pferdesports war der 6. November 2011. Weltcup-Springen in Verona. Eines der haushoch favorisierten Paare hat gerade den Parcours fehlerfrei beendet: die beiden Olympiasieger 2008, Eric Lamaze und sein KWPN-Hengst Hickstead. Entspannt streben die beiden im Schritt gen Ausgang, da schwankt der damals 15-jährige Hengst und bricht zusammen. Sein Reiter kann gerade noch wegspringen. Hilflos müssen er und herbei eilende Helfer zusehen, wie Hickstead noch einige Male krampft, dann ist er tot. Ein Aortenabriss heißt es später.


2012

Die Ära Valegro

Julia Rau

2012, das Olympiajahr. Was sich 2011 bereits angedeutet hat, bestätigt sich bei den Sommerspielen in London: Die Zukunft auf dem Dressurviereck gehört den Briten. Carl Hester/Uthopia, Laura Bechtolsheimer/Mistral Højris und Charlotte Dujardin gewinnen die erste olympische Mannschaftsgoldmedaille für Großbritannien auf dem Dressurviereck. Charlotte Dujardin sichert sich zudem den Einzeltitel und Laura Bechtolsheimer wird Dritte. Dazwischen reiht sich Adelinde Cornelissen mit Parzival ein.

Deutschland geht in der Einzelwertung leer aus, holt aber Silber mit der Mannschaft dank starker Leistungen der Olympia-Debütantinnen Kristina Sprehe mit Desperados, Helen Langehanenberg auf Damon Hill und Dorothee Schneider auf Diva Royal. Für sie ist es erst der Anfang einer großen Karriere.

Der Schweizer Champion und sein genialer Partner

Julia Rau

Zwischen Genie und Wahnsinn wandele sein Kannan-Sohn Nino des Buissonnets, hat Steve Guerdat mehrfach gesagt. In London zeigt sich Nino von seiner genialen Seite. So klein und schmal (und unscheinbar) der Braune ist, im Parcours verwandelt er sich. Wie sein Reiter es ausdrückt: „Sieht er ein Hindernis, wird er zur Furie. Mit Kaltblütigkeit zieht es ihn zu jedem Hindernis. Es entsteht fast der Eindruck, er will die Hürden verschlucken. Er explodiert förmlich.“ All dies mache sein Genie aus. Und mit all jenem wird er 2012 Olympiasieger – nur einer von unzähligen Erfolgen, die die beiden zusammen feiern.

Doppelgold zum Geburtstag

Toffi

Olympiasieger, Weltmeister, Europameister, Badminton- und Burghley-Sieger – Michael Jung und Sam haben gewonnen, was es zu gewinnen gibt im internationalen Vielseitigkeitssport. (© Toffi)

An seinem 30. Geburtstag sichert sich Vielseitigkeitsstar Michael Jung endgültig einen Eintrag in den Annalen der ewig Besten: Doppelgold in der olympischen Vielseitigkeit von London, das, was vor ihm schon Hinrich Romeike mit Marius vollbracht hat. Sandra Auffarth und Opgun Louvo gewinnen zudem Bronze.

Jungs Pferd ist wie schon beim WM-Sieg in Kentucky und den Europameisterschaften 2011 in Luhmühlen der fantastische Sam v. Stan the Man xx, ein Eigenbrötler im Privatleben, eine richtige Maschine im Gelände. Einer, von dem William Fox-Pitt mal sagte, er wolle ihn gerne haben, um ihn auf die Weide zu stellen, damit er mit seinem Reiter nicht immer alles gewinnt. Tatsächlich kam es nach den Weltreiterspielen in Kentucky zu Querelen, weil Sams damalige Mitbesitzerin den Württemberger verkaufen wollte. Er konnte jedoch für Michael Jung gesichert werden. Und die zwei Goldmedaillen von London waren mitnichten die letzten, die die beiden für Deutschland holen.


2013

Das Jahr von Damon Hill und Helen Langehanenberg

In London sind Helen Langehanenberg und der westfälische Donnerhall-Sohn Damon Hill bestes deutsches Paar. Aber da war noch Luft nach oben. 2013 haben sie ihren Zenit erreicht. In Neumünster gewinnen sie die Weltcup-Kür mit über 90 Prozent. Beim Weltcup-Finale in Göteborg erreichen die beiden 88,286 Prozent und setzen sich damit klar gegen die Niederländer Adelinde Cornelissen auf Parzival und Edward Gal im Sattel von Unercover durch. Später verhelfen sie mit einem furiosen Grand Prix dem deutschen Team zum Platz auf dem obersten Treppchen bei den Europameisterschaften in Herning und gewinnen Silber in der Einzelwertung.

Die Europameisterschaften mit zwei vergoldeten Blaubeeren

Die Einzelwertung der Dressur-EM in Herning ist eine klare Sache: Gold für Charlotte Dujardin und Valegro, Stallname Blueberry. Er ist nicht der einzige Champion, der zuhause eine Blaubeere ist. Im Springen siegt nämlich der Franzose Roger-Yves Bost auf Myrtille Paulois. Die frankophilen Leser wissen es längst, auch Myrtille bedeutet übersetzt Blaubeere.

Die deutschen Springreiter gehen in der Einzelwertung leer aus, holen aber Silber mit der Mannschaft. Theodor Storm hätte seine Freude an dieser Equipe, setzt sie sich doch zu 75 Prozent aus Schimmelreitern zusammen: Daniel Deußer auf Cornet D’Amour (Einzelwertung Rang 5), Ludger Beerbaum mit Chiara (Rang 6), Carsten-Otto Nagel mit Corradina (Rang 28) sowie dem „Quoten-Braunen“, Codex One mit Christian Ahlmann (Rang 12).

Escada betritt die Bühne

 

Julia Rau

Ingrid Klimke und Escada nach dem Gewinn der Silbermedaille bei den Europameisterschaften 2013 in Malmö (© Julia Rau)

Den deutschen Vielseitigkeitsreitern gelingt einfach alles zu der Zeit. So war auch das Ergebnis der EM in Malmö kaum eine Überraschung: Gold für die Mannschaft, bestehend aus Michael Jung auf dem damals erst neunjährigen Halunke, Silber für Ingrid Klimke, die ebenfalls ein neues Championatspferd vorstellt: die Hannoveraner Embassy-Tochter Escada. Während es für Halunke das erste und letzte Championat ist, wird von Escada noch die Rede sein. Komplettiert wird das Team durch Dirk Schrade mit dem unorthodox springenden, aber absolut zuverlässigen Hop and Skip sowie Andreas Dibowski und Avedon. Letztere werden in der Einzelwertung Sechste und 16.

Ein bewegender Moment

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Kissinger und Gräfin Dohna (© www.sportfotos-lafrentz.de)

Schwer schlucken müssen die Trakehner Fans bei der Körung in Neumünster. Zum Siegerhengst wird der Singolo-Arogno-Sohn Kissinger ausgerufen. Züchterin ist die damals fast 80-jährige Gräfin Dohna, die es sich nicht nehmen lässt, ihren Champion selbst durch die Holstenhalle zu führen. Dafür gibt es stehende Ovationen. Es ist einer dieser Momente, in denen Geschichte greifbar wird.

Gräfin Dohnas Vater war der größte Privatzüchter Trakehnens. Und als sich Ostpreußen 1945 aufmachte, um vor den Russen gen Westen zu fliehen, waren auch er und seine Stuten Teil des Trecks. Unter diesen Stuten waren auch die damals bereits 16-jährige Kordel und ihre Tochter, Jungkordel. Die Urahninnen des Trakehner Siegerhengstes. Sie haben es geschafft. Haben Kälte und Entbehrungen getrotzt, um im Westen eine neue Heimat zu finden und sich ein neues Leben aufzubauen.

Als Gräfin Dohna mit Kissinger (dessen US-amerikanischer Namensgeber ja nach Kriegsende selbst an der Entnazifizierung in Deutschland beteiligt war und später mit dem Friedensnobelpreis für seine Vietnam-Politik ausgezeichnet wurde) durch die Holstenhalle schritt, war etwas von dem Geist, dem Mut und der Charakterstärke der Menschen wie der Pferde zu spüren, die damals ihre Heimat zurücklassen mussten.


2014

Distanzskandale, Weltreiterspiele, Abschiede, Newcomer

Die Normandie ist Gastgeber der Weltreiterspiele 2014, des sportlichen Jahreshöhepunkts. Ein anderes Highlight aus deutscher Sicht, gibt es aber bereits im Frühjahr.

Daniel Deußers erster Titel

Toffi

Ein Champion: Daniel Deußer (© Toffi)

Keine Überraschung und dennoch genial ist der Erfolg von Daniel Deußer mit seinem westfälischen Cornet Obolensky-Sohn Cornet d’Amour beim Weltcup-Finale in Lyon, wo der Schimmel seinen Reiter souverän zum Sieg trägt. Keinen einzigen Springfehler leistet er sich, darf er aber auch nicht, denn die Konkurrenz sitzt ihm im Nacken. Am Ende komplettieren Ludger Beebaum und Chiara mit Platz zwei den deutschen Triumph. Rang drei geht an Scott Brash auf der fantastisch springenden Ursula.

Auffarth Weltmeisterin

Die erste, die die Jung’sche Siegesserie unterbrechen kann, ist Sandra Auffarth mit ihrem Franzosen Opgun Louvo. Bei den Weltreiterspielen in der Normandie, wo alles andere als ideale Bedingungen für die Vielseitigkeitsreiter und -pferde herrschen, kämpft sich „Wolle“ durch den dicksten Morast und sichert seiner Reiterin den Weltmeister-Titel. Auch das Team holt Gold in der Besetzung Ingrid Klimke/Escada, Michael Jung Rocana und Dirk Schrade Hop and Skip.

Auftritt Bella Rose, Auftritt Weihegold

Julia Rau

2014 ist das Jahr des Durchbruchs für die erfolgreichste Dressurreiterin aller Zeiten mit dem Pferd, von dem sie sagt, es vereine alle Talente ihrer bisherigen Erfolgskameraden in sich: Isabell Werths Bella Rose. Nachdem sie als bestes Pferd des Teams und zweitbestes Pferd des Grand Prix hinter Valegro maßgeblichen Anteil am Mannschaftsgold bei den Weltmeisterschaften hatte, zieht Werth die Stute von den weiteren Prüfungen zurück. Danach zeigt sie sie noch einmal beim Weltcup-Turnier in Stuttgart, siegt und meldet sich dann für die nächsten vier Jahre ab.

Dafür erscheint aus dem Stall Werth eine andere Stute auf der Bildfläche im ganz großen Viereck: Weihegold, damals noch unter dem Sattel von Beatrice Buchwald. Mit der damaligen Bereiterin im Stall Werth holt Weihegold im Dezember in Frankfurt den Sieg im Louisdor Preis.

Oranje-Taumel

Pauline von Hardenberg

Jeroen Dubbeldam und Zenith (© Pauline von Hardenberg)

2000 war er Olympiasieger, 2014 wird er auch Weltmeister: Jeroen Dubbeldam aus den Niederlanden. Sein Pferd Zenith gehört dem Springpaarden Fonds Nederland, kurz SFN, und beweist seine Klasse. Mit seinen gerade mal zehn Jahren tut er für seinen Reiter, wie auch für die Konkurrenten in Gestalt von Patrice Delaveau (FRA), Beezie Madden (USA) und Rolf-Göran Bengtsson (SWE), was er kann – jedenfalls solange diese ihn nicht zu sehr im Maul stören. Das quittiert Zenith sofort. Und demonstriert damit, was es heißt, von einem Meister wie Jeroen Dubbeldam ausgebildet worden zu sein.

Der zeigt seine Klasse auch auf den Pferden der Konkurrenten. Es ist das letzte Finale mit Pferdewechsel und Dubbeldam der einzige, der alle Pferde ohne Abwurf durch den Parcours bringt. Ein würdiger Weltmeister!

Ein späterer Weltmeister stellt sich vor

Bei der Hannoveraner Körung in Verden macht der Jazz-Sohn Don Juan de Hus mit einem Junghengst auf sich aufmerksam, der später als Weltmeister der jungen Dressurpferde für Furore sorgen wird: D’Avie. Andreas Helgstrand ist schon damals ein eifriger Kunde in Verden und erwirbt den fuchsfarbenen Beau aus einer Londonderry-Mutter für satte 620.000 Euro.

Abschiede

2014 war ein Jahr, in dem große Persönlichkeiten des Pferdesports sich für immer verabschiedeten, zwei- und vierbeinige.

Janne Bugtrup

Contender (© Janne Bugtrup)

Stolze 30 Jahre alt wird die Holsteiner Hengst-Legende Contender. Von seiner Tochter Chiara war hier schon die Rede. Er lebt weiter über seinen züchterisch wohl bedeutendsten Sohn Contendro in Pferden wie etwa Michael Jungs bzw. Julia Krajewskis Chipmunk und anderen Klassepferden.

Apropos Holsteiner – rund einen Monat nach Contender stirbt mit 71 Jahren ein zweibeiniges Holsteiner Urgestein: Herbert Blöcker, genialer Reiter, genialer Pferdemann, feiner Mensch. Im Busch hat er unzählige Meriten auf Holsteiner Pferden für Deutschland geholt, stellvertretend sei hier Einzelsilber bei den Olympischen Spielen 1992 in Barcelona mit Feine Dame genannt. Züchterisch hinterlässt er unter anderem Ludger Beerbaums Casello. Und in Sachen Freispring-Regie sucht er seinesgleichen.

Überhaupt hatte Herbert Blöcker einen sechsten Sinn für Pferde, vor allem für die jungen: „Er hat aus jedem Pferd etwas gemacht“, sagte einst Hans Melzer über ihn. Und das ist keinesfalls übertrieben.

Ein Entdecker in jedem Sinne war „der Doktor“, Dr. Uwe Schulten-Baumer Senior – wenngleich auch einer, dessen Trainingsmethoden nicht unumstritten waren. Unter seiner Ägide wuchsen nicht nur die eigenen Kinder, sondern auch Nicole Uphoff und Rembrandt zu einem Weltklasse-Paar heran.

Dann entdeckte er das Talent der Isabell Werth und machte sie zu seiner Meister-Schülerin – die er mit Pferden beritten machte, die er jung aussuchte und ausbildete. Ohne ihn kein Gigolo und kein Satchmo. Ende Oktober 2014 verstarb Dr. Uwe Schulten-Baumer im Alter von 88 Jahren.

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  1. A

    Sehr schöne Idee das letzte Jahrzehnt kurz zusammen zu fassen. Und sehr interessant.

    Eine kleine Anmerkung hätte ich noch: bitte vergessen Sie für 2014 nicht den tragischen Tod von Benjamin Winter! Das gehört mit zu den Abschieden dazu. Danke.

  2. Erica

    Liebes Redaktions-Team, Teil 1 habe ich mit viel Interesse gelesen & warte mit Spannung auf die nächste Folge mit viel Hintergrund. Salute, Erica


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